Gedichte


Die gestresste Eintagsfliege

 

Nur die Ruhe Eintagsfliege,

ruft entgegen ihr des Bauers Ziege.

Doch die Fliege kühn und klug,

begibt sich auf in den Sturzflug,

vom Augenlied der Kuh,

zur Landung auf die Nase zu.

 

Nur die Ziege kann´s nicht raffen,

die Fliege ist im Stress, sie hat verschlafen.

Das um eine ganze Stunde

Und nun ist sie in aller Munde,

weil sie so hektisch dem nachgeht,

was so am Tagesplan der Fliegen steht.

 

Natürlich fliegen, lästig sein und auch vor der Klatsche fliehen,

dabei versuchen streng zu schauen und keine Miene zu verziehen.

Ob der Mörder mit der Klatsche wohl nachdenkt,

wie sehr die Fliege doch am Leben hängt ?

Egal, egal der Mörder war zu dumm er hat den Mord vergeigt,

trotzdem heißt´s adieu, denn des Flieges Zeit sich sowieso dem Ende neigt.

Mai 2010

 

 

 


Ehrliche Lüge

 

Sie ist jedem Menschen wohl bekannt,

doch aus gründen der Moral verbannt.

 

Sie wird Tag und Nacht benutzt

und so mancher schaut danach verdutzt.

 

Sie rettet viele Liebesleben

und sie lässt auch oft die Erde beben.

 

Sie verursacht Schmerz und Leid

und auch manchmal Heiterkeit.

 

Sie trennt oder vereint,

doch wird auch oft verneint.

 

Sie sorgt in Wahrheit,

als Lüge für Klarheit.


Juni 2010

 

 


...ich liebe dich!

 

Wenn jeder Herzschlag intensiv und spürbar wird

und man trotz Hitzewellen fast erfriert,

 

wenn jeder Gedanke nur eine Widmung trägt,

man Unvorstellbares erwägt,

 

wenn man jeden Tag als Geschenk erachtet

und fortan das Glück auf Lebzeit pachtet,

 

wenn man sich nun beim Konzentrieren ablenkt

und oft ein liebes Lächeln schenkt,

 

wenn man trotz Eile ganz ruhig verweilt

und die tiefsten Wunden sind verheilt,

 

wenn man nun in Händen hält das beste Blatt

und all das Schöne dieser Welt nur einen Namen hat,

 

wenn Kram und Kummer nun der Freude wich,

dann fiel der Satz: Ich liebe dich!

 

Juni 2011

 

 


Der Sohn


Auf in eine Schlacht, ihr edlen Krieger,

Bewunderung und Dank gebührn dem Sieger!

Stolz soll eure Brust erfülln im Kampfe,

sogleich zerbersten werden Schild und Lanze!

 

Für einen tiefen Sinn ihr euer Leben gebt,

auch wenn ihr in blutdurchtränkten Kleidern hegt,

in Frieden und gottesfürchtigen Gefallen zu bestreiten,

euer Leben, für Weib und Kind, in guten und in schlechten Zeiten.

 

Doch diese Wörter im Kopfe eines zum Tod Verdammten,

nur in der Seel´ die Erträglichkeit des Sterbens  benannten.

Mit ernster Miene blickt der Vater hinab zu seinem Sohne,

fest entschlossen, bis zum letzten Tropfen Blut wird es sich lohnen,

 

zu kämpfen und sein einziges Kind mit aller Kraft zu schützen,

Heiliger Vater behüt´ mein Kind, als würden hier Gebete nützen.

Der Sohn mit Stolz erfülltem Herzen, schenkt dem Vater einen Blick,

umgreift das Schwert, wir fallen Seit an Seit, es gibt nun kein zurück!

 

Es klirrt das Schwert, es zischen Pfeile, Schild zerspittert,

der Gestank von Schweiß und Tod, der Vater um Vergebung bittet,

für die, die nun verloren auf dem Weg zum Himmel scheinen

und um Freund und Kamerad die letzte Träne weinen.

 

Etwas das von Gott gegeben hat nun keinen Wert,

es wird vom Mensch genommen, als ob es ihm allein gehört.

Hastig sucht der leere Blick des Vaters seinen Spross,

Unbehagen ihn befiel, als ihm das Bild ins Auge schoss.

 

Am Waldesrand da liegt, wie tief im Schlaf, ein junger Mann,

eine Hand zur Faust geballt, die andere macht sich ganz eifrig dran,

die große Wunde nahe seines Herzens zu verdecken,

doch würd´ er sie gerne seinem Vater entgegen strecken.

 

Schließ mich noch einmal in den Arm mein Vater, lass mich nicht warten,

war es doch mein Wunsch, mein Leben zu erfüllen mit großen Taten.

Kein Vater sollt sein Kind zu Grabe tragen,

mein geliebter Sohn verzeih´, ich werde es nicht wagen,

 

deiner Mutter in die Augen zu sehen und zu berichten,

du seiest gefallen und so werd´auch ich verzichten,

auf mein Leben, denn Alles was ich bin warst du mein Sohn,                

sieh mich an und sage mir, ist etwas das des Kampfes Lohn?

 

Weinend zückt der Vater einen Dolch und durchtrennt die eigne Kehle,

für dich mein Sohn, weil ohne dich mich stets nur eine Gedanke quäle.

Entgegen einem hellen, schönen Licht sie wandern nun zu zweit,

die Schlacht war nun geschlagen, denn sie starben Seit an Seit.

 

Mai 2012

 

 


Das Glück


Es ist schon eine seltsame Geschichte,

ich sitze hier mit einem Blatt Papier und dichte.

 

Nebenbei klettert eine Frau auf einen Baum,

der Gitarrenspieler zupft sich einen Jugendtraum.

 

Kinder spielen sich mit ein paar Steinen und lachen,

der dicke Mann daneben, wirft sich drei Stück Torte in den Rachen.

 

Verliebte reichen einander die Hände,

dieses Bild spricht wahrlich Bände.

 

Ein jeder lacht, ein jeder strahlt,

während der Peintre ein Bildchen malt.

 

Ein Bild aus einer besseren Welt,

das einem hier ins Auge fällt.

 

Während anderswo Bomben fallen und Krieg regiert,

wird hier geklatscht, gelacht, geküsst ganz ungeniert.

 

Das ist Glück, hier sein zu können,

das würd´ ich gerne jedem Menschen gönnen.

 

Juni 2012

 

 


Der Kapitän


Am Tresen sitz, in dunklem Licht, von Rauch umhüllt,

ein alter Mann mit Bart und Glas voll Rum befüllt.

Das faltige Gesicht voll Kummer, Kram und Trauer,

leer sein Blick und starr an eine Mauer,

auf ein kleines, ölgemaltes Bild von einem Schiff,

das zerborsten und zersplittert liegt an einem Riff.

 

In der Hand da hält er eine Pfeife,

nippt vom Glas und brummt: „das Leben läuft in Endlosschleife!

Alles was ich einst gewesen ist dahin,

seht euch nur an was ich nun bin.

Gebrechlich, alt, der Sucht verfallen,

viel zu müde um die Hand zur Faust zu ballen.

 

Zu schwach um einen Sinn zu finden in meinem Tun,

auf alten Taten lasse ich es nun beruh´n.

Früher war ich gut gekleidet, nicht gehüllt in Lumpen,

mein Geist war frei und nicht wie jetzt im Rum versunken.

Mein Herz schlug stolz und voller Leidenschaft,

aus jedem Rückschlag schöpft´ ich damals neue Kraft.

 

Junge Männer sahen zu mir auf

und auch Weiber hatte ich zu Hauf!

Nun werd ich von den Jungen meist bespuckt,

weil meine Anwesenheit niemanden mehr juckt.

Früher!“, wollt der alte Mann den Satz beginnen,

bevor er zusammenbrach, samt Pfeife in seinem Munde drinnen.

 

Den Kopf am Tresen, den Rum vergossen,

bevor sich seine Augenlieder schlossen.

Da lag er nun in einer stinkenden Spelunke,

ohne Ehre, ohne Stolz allein im Selbstmitleid versunken.

Ich blickte an die Mauer und konnte es anhand des Bildes lesen,

der alte Mann war einst ein großer Kapitän gewesen.

 

 

Juni 2012

 

 


Alles hat einen Sinn


Angeblich hat doch Alles im Leben einen Sinn,

da frag ich mich: wieso krepiert so manches Kind dahin?

 

Wieso bleibt Gerechtes jenen fern, denen es gebührt?

Eine Tragik, die zu Tränen rührt.

 

Auch das Glück ist einem selten hold,

so oft schon wurde Blut gezollt.

 

Und die Liebe schmerzt am meisten die, die wirklich lieben,

bis nur mehr ein Häufchen Elend ist davon geblieben.

 

Viele Kriege töten Väter, Brüder, Söhne,

oh welch Sinn, als ob uns dieser Satz verhöhne.

 

August 2012

 

 


Gedanken


Gestrandet schein´ich nun so im Gedanken,

unlängst ich noch schritt auf sicheren Planken,

 

doch verloren ging mein Schiff in des Lebens rauer See,

beständig war, was nicht mehr ist, ade!

 

Wie führt der Kurs, wo geht es hin,

worin liegt ab nun des Lebens Sinn?

 

Auch der Seelenkompass gin zu Bruche,

ist es ein neues Ziel das ich nun suche?

 

Geht es nach vor oder zurück,

treibts mich auf Strömen Richtung Glück?

 

Oder habe ich am Ende doch versagt?

Wahrscheinlich bin ich nur ein weiterer Toter, den das Meer beklagt!

 

August 2012

 

 


Die Fremde

 

Im sanften Wind da spielt ihr langes, schwarzes Haar,

weckt ein Gefühl in mir, das lang verborgen war.

 

Ihre tiefen, runden, schönen Augen lassen,

sogar den Ozean vor Neid erblassen.

 

Wenn sich ihre Lippen zu einem lieben Lächeln formen,

scheinen vergessen Maße, Ideal und Normen.

 

Meine Blicke sind in Ihrer Gegenwart gefangen,

um bis in die Mitte ihres Herzens zu gelangen.

 

Körper und auch Geist verschwimmen hier

und vollenden das Vollkommene mit Zier.

 

Anscheined hat mir Gott einen Engel geschickt,

um zu erkennen,

dass man nach wahrer Schönheit mit dem Herzen blickt.

 

Doch zu ehrfürchtig und zu feig war ich am Ende,

deswegen bleibt sie im Gedanken nur, die wunderschöne Fremde.

 

September 2012