Über mich



1986

 

Da mein Vater an einem regnerischen Abend im April des Jahres 1985, leicht benebelt durch damalige Rauchwaren und den Klängen eines Led Zeppelin Konzertes,  beschlossen hatte, sein sorgenfreies, kinderloses Aussteigerleben aufzugeben, um eine Familie zu gründen und den Woodstock- Poncho gegen eine Uniform der österreichischen Post zu tauschen, werde ich am 20.Jänner 1986 geboren. Die Tatsache, dass ich drei Tage vor dem eigentlichen Geburtstermin das Licht der Welt erblicke, ruft in mir bis heute posttraumatische Störungen hervor, da meine Taufpatin aufgrund des Winterschlussverkaufs des Trödelmarktes Weber, einen Geburtenteller mit dem falschen Tierkreiszeichen erworben hat.

 

1986 – 1989

 

Es tut sich nicht sonderlich viel. Hin und wieder mache ich ein paar Schritte und versuche, der Höflichkeit halber, ein wenig zu lachen, wenn die Erwachsenen dumme Grimmassen schneiden und mit mir sprechen als hätte der vierte Schlaganfall ihr Sprachzentrum nun völlig zerstört. Wenn sie es aber zu bunt treiben, räche ich mich oft bitterlich und lasse, natürlich nachdem Anlegen einer frischen Windel, der Natur ihren Lauf.

 

1989 – 1991

 

Ab geht’s in den Kindergarten. Auch wenn ich nur von Montag bis Freitag für fünf Stunden anwesend bin, geht es hier ziemlich stressig zur Sache. Obwohl die Krankheit erst Mitte der Neunziger einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurde, leide ich bereits zu diesem Zeitpunkt an dem „Burn- Out- Syndrom“ und verarbeite die vielen negativen Gefühle und Belastungen in zahlreichen Muttertagsmalerrein.

 

1991 – 1994

 

Ich werde erwachsener und darf mittlerweile die Volksschule in Hainfeld besuchen, was mir auch sehr Spaß macht. Ich arbeite sehr akribisch und werde dadurch zum Oberbeauftragten des Landes Niederösterreich für Schulmilch und Pausenbrote bestellt, was meine Karriere natürlich so richtig ankurbelt.

 

1995

 

Da der damalige Schulwart unserer Volksschule ein starkes Suchtverhalten zu alkoholischen Getränken aufweist und für angebliche Schweigegeldzahlung an mich, die Schulmilchkassenbilanz fälscht, gerate ich unschuldig in einen Politskandal und muss von meinem Amt zurücktreten. Bis heute gilt natürlich die Unschuldsvermutung.

 

1996 – 2000

 

Weil es mir an Gegenargumenten mangelt, steckt mich mein Vater, gegen meinen Willen, in ein Gymnasium, da seiner Meinung nach, eine solide Ausbildung große Bedeutung für meine Zukunft hat.

Anscheinend sind zu dieser Zeit viele Väter dieser Meinung, denn in meiner Klasse wimmelt es nur so von lustlosen, antriebslosen Schülern, die ebenfalls zu ihrem Glück gezwungen wurden und sich, so wie ich, ihrer Freiheit beraubt fühlen. Um ein wenig aufzubegehren gründen wir den Verein „BRT-DILG“, was abgekürzt für Bildungs-resistente-Taugenichtse-die-ihr-Leben-genießen steht. Die meisten der damaligen Mitglieder sind heute Künstler. Einige haben aber den bildungstechnischen Abwärtstrend emsig weiterverfolgt und es bis in die Politik geschafft.

 

2000 – 2006

 

Durch die väterliche Veranlagung machen sich auch bei mir gewisse Aussteigerträume breit, weswegen ich mehrere Lehrstellen aufgebe, um von nun an meinem Berufswunsch als Orangenverkäufer, in Griechenland gerecht zu werden. Leider endet mein Ausstieg bereits nach wenigen Kilometern, da meine Vespa anscheinend nicht der größte Griechenland Fan war.

Nach vielen Jobs wie etwa Bauhelfer, Maurer, Möbelverkäufer, Briefträger entdecke ich aber meinen Traumberuf: Taxilenker. Eine lange Straße, dazu laute Musik und das Gefühl von Freiheit. Leider endet auch hier schon die Freiheit, da ich aufgrund diverser Angelegenheiten, meine Lenkberechtigung verloren habe und erfahren musste, dass die Berufschancen als führerscheinloser Taxilenker eher gering ausfallen.

 

2006 - 2007

 

Nun beginnt meine Karriere als Künstler, wobei ich es vorziehe mit einer kreativen Pause zu beginnen und erstmals zu mir selbst zu finden. Ich war in Geographie schon immer schlecht.

 

2008

 

Mein erstes Programm „5 Sterne Plus – Wahnsinn im Paradies“ feiert Premiere. Von den fünf Menschen im Publikum, sind auch nach der Pause noch vier anwesend, wobei es sich hier um meine Eltern, meinen Bruder und Tante Herta handelt. Außer ihr  waren aber im zweiten Teil alle wach. Leider wurde nicht besonders viel gelacht, da ich mir vorgenommen hatte, ein eher schlechtes Programm zu schreiben, damit sich der Erfolgsdruck danach in Grenzen hält.

 

2009

 

Das zweite Programm „Workaholic“ erscheint und wird ein richtiger Erfolg. Bei diversen Wettbewerben gelingt es mir oft, die Jury zu bestechen, weswegen ich auch den Finaleinzug beim Großen Niederösterreichischen Kabarettpreis schaffe und den Wiener Comedy Knock Out gewinne. Meine Kontostände haben sich leider trotzdem nicht verbessert, dafür darf ich mit einem Groupie schlafen und werde Vater eines wunderbaren Sohnes.

 

2010

 

Versuche ich mich zum ersten Mal als Autor und es entsteht der dreiseitige Roman „Die Schreibblockade“. Dank Facebook gefällt dieser zu Papier gebrachte Schwachsinn aber trotzdem einem gewissen Herrn Walter Wipfinger und 64 anderen. Leider keinem Wichtigen.

 

2011

 

Die Schreibblockade ist weg und mein zweiter Roman „Elf Zentimeter“ erscheint beim edition a Verlag.Ich unternehme sehr viele Lesereisen und darf sogar ins Deutsche Fernsehen. Als ich auch noch aus vielen Tageszeitungen Österreichs lache, trifft mich beinahe der Schlag. Hilfe ich bin ein Star, bitte holt mich rein.

 

 

2012

 

Das dritte Soloprogramm erscheint unter dem Titel „Couchgeflüster“. Bei einer Probe bemerke ich jedoch zufällig, dass ich nicht Gitarre spielen kann, aber bereits vier Songs im Drehbuch aufgenommen hatte, weswegen ich mich entscheide einen Musiker als Partner zu engagieren. Joe Cocker sagte mir leider kurzfristig ab, dadurch habe ich mich dann doch für Eduard Muckenhuber entschieden, um das Soloprogramm im Duo zu spielen.

Eine Tournee durch Österreich ist in Planung und wird vermutlich im Herbst starten.